Offener Brief an Ole Seelenmeyer und alle DRMV-Mitglieder
|
Aufgrund der Attacken von Ole Seelenmeyer gegen das Netzwerk der "Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e.V. (ABMI) hatte die ABMI den nachfolgenden Brief mit der Bitte um ungekürzte Veröffentlichung an Ole geschickt.
Ob Ole diese Kritik / Erwiderung nicht ins Konzept passte, wissen wir nicht. Tatsache ist, dass er unsere Gegenargumente und Fakten nicht publiziert hat, weswegen wir nur diesen Weg zu den Mitgliedern des DRMV gehen können.
Ist ein bisschen lang (hat die Länge von Oles Artikel) - grenzt aber schon fast an Satire und kann einen faden Abend erlebnisreicher machen! |
Zum Artikel "Förderung der Rock- und Popmusik(er) in der Bundesrepublik Deutschland / Anspruch und Wirklichkeit / Die Netzwerke der B.A.ROCK" in der Zeitschrift "MUSIKER Magazin", Ausgabe 2/2002
Offener Brief an Ole Seelenmeyer und alle DRMV-Mitglieder
Hi Ole, die Musikbranche ist ein "Haifischbecken", der du selbst ja auch eine eigene Rubrik gewidmet hast. Mit den Diffamierungen und selbstkonstruierten Normen in deinem Artikel "Förderung der Rock- und Popmusik(er) in der Bundesrepublik Deutschland / Anspruch und Wirklichkeit - die Netzwerke der B.A.Rock" scheinst du jetzt leider auch selbst in dieses Becken gesprungen zu sein.
Ich hatte Dir bei der Popkonferenz in Germering nicht nur physisch die Tür geöffnet. Auch bei meinen verschiedenen Redebeiträgen hatte ich dir die Hand gereicht, weil wir nicht so vermessen sind, einen Alleinvertretungsanspruch nach außen zu kehren. Auszug aus meiner Eröffnungsrede: " Es geht bei dieser Konferenz fördertechnisch nicht um die B.A.ROCK als alleinigen Verband." Ob du das gehört hast oder in deinem vermeintlichen Brass auf uns überhaupt noch hören wolltest, musst du dir selbst beantworten.
Ich fühle mich in der Opferrolle nicht gerade wohl, aber die Fouls gehen eindeutig von dir aus. Wir haben in der Vergangenheit deine Attacken geschluckt und uns stattdessen darauf konzentriert, konstruktiv zum Nutzen der Musikerinnen und Musiker in Bayern zu arbeiten. Und aus meiner bayerischen Position heraus darf ich dir heute auch antworten, weil uns das Kunstministerium bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert hat.
Fahrrad versus Auto?
Als es einst um den vergleichenden Nutzen von ABMI und DRMV für die bayerischen Rockszenen ging, hast Du mit Schreiben vom 25. Januar 1995 folgenden Vergleich zwischen ABMI und DRMV zu Papier gebracht: "Ich halte es nicht für sinnvoll, ein Auto mit einem Fahrrad zu vergleichen, um dann im Resümee zum Schluß festzustellen, daß ein Fahrrad viel besser in der Fußgängerzone fahren kann als ein Auto. Übersetzt auf unsere Verhältnisse heißt dies soviel wie: Man kann einen Berufsverband für Rock- und Pop-, Folk-, Jazz-, aber auch Tanz- und Unterhaltungsmusiker nicht mit einer Landesvereinigung für Amateur- und Schülerbands vergleichen....Somit kannst Du den DRMV (Anm.: damals firmiertest du mal vorübergehend unter Deutscher Musikerverband), viel eher mit dem Deutschen Orchesterverband (Anm.: du zählst weitere Verbände auf) vergleichen, keinesfalls aber mit einer Organisation, die ihr hauptsächliches Bestreben in der Durchführung von Schülerbandfestivals, Übungsräumen und der Vertretung von Amateurmusikern sieht."
Welchen Grad an Hochnäsigkeit oder Überheblichkeit ein Leser deiner Antwortformulierung attestiert, kann ich nicht einschätzen. das ist aber auch dein Problem. Aber welche Laus ist dir über die Leber gelaufen, dass du selbst es bist, der jetzt den vorher in Abrede gestellten Vergleich zwischen Fahrrad und Auto anstellt.
Konstruierst du nun eine Konkurrenzsituation oder nicht? Dein oder der Rechercheur Karsten Runge behauptet zu diesem Thema: "Wie er (Anm.: Ole Seelenmeyer) mir sagte, sieht sich der DRMV in keiner Konkurrenzsituation zu den von Ihnen vertretenen Organisationen, da sich selbiger vorrangig als Interessenverband der professionellen bzw. semiprofessionellen Musikschaffenden versteht". Was denn nun? Könntest du dich vielleicht mal entscheiden!
Wir hatten im übrigen kein Problem damit, von dir abschätzig zum Fahrrad degradiert zu werden. Für uns war wichtig, dass die Fußgängerzone mit musikalischem Leben erfüllt wird. Das war und ist auch unser kulturpolitischer und förderrelevanter Auftrag. Und wir waren überaus erfolgreich! Für dich vielleicht zu erfolgreich? Ich weiß nicht, ob die DRMV-Mitglieder sich schon mal gefragt haben, wie erfolgreich der DRMV und seine Landesuntergliederungen vor Ort zum Nutzen der Bands beigetragen haben. Immerhin gibt es den DRMV rund zwei Jahrzehnte - Zeit genug um positive Spuren zu hinterlassen, oder? - und du stellst die hierarchische Untergliederung ja stets heraus. Aber was haben deine "real existenten" Untergliederungen denn konkret in den Kommunen, Landkreisen, Bezirken und Ländern an Positivem und Konkreten hinterlassen. Sehe da nur ich nichts bis wenig? Aber ich könnte ja befangen sein.
Wenn du die Initiativen als inaktiv darstellst (was faktisch falsch ist, aber dazu später mehr), dann musst du dich gleichfalls nach deinen Ergebnissen befragen lassen.
Musikinitiative oder Musikerinitiative?
Lass mich auch noch einen Satz zum Profil der "Fahrrad"-Bereifung anmerken. Du wechselst von der Verwendung der Begrifflichkeiten MUSIKERinitiative und MUSIKinitiative, wie andere ihre Hemden. Dabei liegen gerade darin die Essenzen. Ob du das nicht sehen willst oder nicht kannst, müssen die Leser entscheiden. Ich hoffe nur, dass du kein PISA-Problem hast, um die Unterschiede überhaupt zu erfassen.
Wenn du schon so penibel Auszüge aus Vereinsregistern zitierst, dann lies doch zu allererst mal mit der gebotenen Gründlichkeit nach, was da bei der ABMI steht: "Arbeitsgemeinschaft Bayerischer MUSIKinitiativen e.V." Wir haben nie etwas anderes behauptet und für uns spielte diese Formulierung - demokratisch lange und ausführlich diskutiert, weil du darauf ja auch großen Wert legst - bei der Vereinsgründung 1989 eine entscheidende Rolle!
Die ABMI hatte das buchstäbliche Glück, letztes Jahr Objekt einer "Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Akademischen Grades einer 'Magistra Artium' (M.A.)" zu sein. Darin enthalten auch ein Definition der beiden Begrifflichkeiten, mit denen du scheinbar so vermengend wedelst, dass die Leser irgendwann glauben könnten, es gäbe gar keinen Unterschied. Dem ist aber nicht so - und das ist elementar!
Zitat Magisterarbeit: "MUSIKERinitiativen sind Zusammenschlüsse aktiver Einzelmusiker und Bands auf lokaler und regionaler Ebene; häufig folgt eine Vereinsgründung. Als MUSIKinitiativen bezeichnet man lokale Organisationen, die meistens in Verbindung mit einem bestimmten Veranstaltungsort oder der örtlichen Jugend- und Theaterkulturszene stehen und nicht selten auf spezielle Stilrichtungen ausgerichtet sind. Diese Art Zusammenschluss kann ebenfalls einen Vereinsstatus erlangen."
Stimmung machen willst du scheinbar gegen unsere seit vielen Jahren mit viel ehrenamtlichem Engagement für ein lebendiges und kreatives musikalisches Leben arbeitenden Musikinitiativen. "Bei 6 Initiativen sind nach eigenen Angaben keine Rock- und Popmusiker beteiligt. Weitere 7 Initiativen gaben an, dass sie nur über einen sehr geringen Musikeranteil unter ihren Mitgliedern verfügen." Es ist auch völlig egal, dass einzelne Initiativen "nach eigenen Angaben unter 10" Mitgliedern auflisteten. Entscheidend ist, was dabei herauskommt!
x-ray e.V. in München (aka "backstage") hat zum Beispiel mit acht Vereinsmitgliedern jährlich rund 400 Konzerte abgewickelt. Nach Problemen mit der Deutschen Bahn, der Grundstückseitgentümer lässt auf dem Areal Neubauten errichten, wird das neue und umgezogene "backstage" sicherlich wieder auf ein ähnliches Level gelangen können. Auch das "Feierwerk" hatte lange Jahre wenige Vereinsmitglieder (inzwischen 58), aber dort spielten an 200 Konzerttagen im Jahr vornehmlich Newcomer.
Den zahllosen Bands, die auf solchen Bühnen stehen, geht es - gelinde gesagt! - am A.... vorbei, ob oder wer zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten arbeitet, um tausenden von Musikerinnen und Musikern - darunter im letzten Jahrzehnt sicherlich eine ganze Menge von DRMV-Mitgliedern, die sich jetzt vielleicht fragen, warum du diese Clubs und deren Szenearbeit diffamierst - eine Auftrittsplattform zu bieten.
Bands und Kreativität fragen nicht danach, ob ihre ohnehin raren Auftritte von Musikern, Ex-Musikern oder Nicht-Musikern organisiert werden. Ich selbst habe vor 20 Jahren bei Frank Baum Pedal Steel Guitar gelernt, aber ich würde mich heute auch nicht mehr als Musiker bezeichnen. Bob Lässig, der lange Zeit das Veranstaltungsmanagement im Feierwerk betreut hat, geht es genauso. Ich könnte Dutzende aufzählen. Hauptsache, es finden sich Leute, die engagiert genug sind - und nicht selten auch erhebliches finanzielles Risiko eingehen - um Bands bespielbare Bühnen zu ermöglichen. Deine Denke und Diffamierungen schaden diesen, in den lokalen Initiativen arbeitenden Menschen massiv.
Stützen Maffay, Niedecken & Co diese Diffamierungen?
Ich frage mich auch, warum so renommierte Musiker wie Peter Maffay, Wolfgang Niedecken, Klaus Kreuzeder u.v.m. ihren Namen für den DRMV hergeben, wenn der DRMV so elementar und voller Verbissenheit gegen diese eigentlichen Ermöglicher von Livemusik zu Felde zieht.
Wenn ich Mitglied beim DRMV wäre, würde ich mal fragen, ob der sicherlich nicht geringe Kapital- und Personaleinsatz für die bundesweite Initiativenumfrage nicht sinnvoller zum Nutzen der Musikerinnen und Musiker im DRMV - z.B. für Auftrittsplattformen etc. - hätte eingesetzt werden können.
Es geht auch nicht um Erbsenzählerei - das hast du eingeführt (die ABMI hat zufällig im Februar eine Mitgliederumfrage durchgeführt. Aktuell: 46 bayerische Netzwerkpartner, darin enthalten 2 kommunale Einrichtungen, ein Kreisjugendring, 2 Veranstalter. Insgesamt: 3.850 Mitglieder gegenüber 3.913 im Jahr 2000 - ein detaillierte Aufstellung geht ebenfalls an die Ministerien). Es geht darum, wer draußen und drunten vor Ort in den Kommunen und Landkreisen, also bei den Musikerinnen und Musikern, Bands und Clubs den aktivsten und effizientesten Nutzen hinterlässt. Das ist unser Ansatz! Und an diesen Erfolgen lassen wir uns gerne messen.
Der "Kulturjournalist" (darauf komme ich später noch) Karsten Runge, hat ja abgefragt, welche Aktivitäten und Dienstleistungen die lokalen Initiativen für die Musikerinnen und Musiker vor Ort erbringen. Wieviele Open-Airs und Indoorfestivals, Bandaustauschgigs und sonstige Konzerte sie vor Ort realisieren - sicherlich auch für Bands, die im DRMV Mitglied sind. Warum dokumentierst du das nicht? Müsstest du vielleicht eingestehen, dass du damit nicht konkurrieren kannst? Ich denke, die DRMV-Mitglieder, die über unsere Inis zu Auftritten gekommen sind, haben dies schätzen gelernt. Diese DRMV-Bands werden sich vielleicht auch mal die Frage stellen, wieviele Gigs habe ich denn vom DRMV erhalten? Warum hast du das nicht in deiner Schreibe dargestellt? Hättest du dann vielleicht artikulieren müssen, dass es unsere Inis sind, die hier Leben in die Bude bringen - und weniger der DRMV.
Geldstrom zu den MusikerInnen - nicht umgekehrt!
Dass diese Inis vor Ort so aktiv sein können, liegt im übrigen in unserer - von dir so abfällig kritisierten - Beitragsstruktur. Wir haben es oft genug gesagt. Ob du ein kurzes Gedächtnis hast oder immer wieder darauf einhackst, weil du sonst keine Argumente hast, vermögen andere zu entscheiden.
In unserem nmz-Pro&Contra-Gespräch vom Frühjahr 2000 hatte ich dir schon erwidert: "Es ist die Philosophie der B.A.ROCK, dass das Geld der Musiker dort verbleiben soll, wo es in eigenen Veranstaltungen (Festivals, Workshops etc.) am meisten Nutzen für die Musiker bringt: an der Basis. Fakt ist auch, dass die Unterstützung der örtlichen Rockmusikvereine/-initiativen durch die Kommunen in den letzten Jahren massiv gekürzt wurden. Einem Nackten kann und will die B.A.ROCK nicht in die Taschen greifen. Analog verhält es sich auf Landes- und Bundesebene."
Wenn die DRMV-Mitglieder ihr Geld lieber nach Lüneburg überweisen, anstatt mit dieser Kohle für sich selbst Gigs zu organisieren, kann ich das als deren Entscheidung akzeptieren. Davon unbenommen bleibt meine Meinung, dass die DRMV-Mitglieder das Geld sinnvoller für ihre eigenen Projekte vor Ort verwenden könnten.
Wie? Das zeigt die auch lokal anwendbare Philosphie der "Bayerische Rockintendanz". Aufgabe des Rockintendanten ist es auch, Gelder zu akquirieren und in die lokalen und regionalen Szenen hineinzupumpen - anstatt von diesen Geldern abzuziehen! So konnten durch Sponsorenaktionen (Schülerbandfestivals der Volksbanken/Raiffeisenbanken, Club-Festivals der Allianz-Versicherungs AG u.a.) alleine in Bayern binnen vier Jahren 775.575 DM aus der Wirtschaft für lokale Auftrittsmöglichkeiten von Bands erwirtschaftet und an die Szenen weiter gereicht werden. Geld, das die öffentliche Hand nicht oder nicht mehr bereitstellen konnte. So wird Infrastruktur gefördert, gebildet oder in Krisenzeiten gestützt.
Das stand zwar auch mehrfach bereits in meinen nmz-Artikeln zu dir - aber Unbequemes überliest man scheinbar gerne. Du solltest viel lieber mal sagen, wie viel Geld der DRMV in den letzten Jahren erwirtschaftet und wie viel davon zum konkreten Nutzen der Musikerinnen und Musiker im DRMV an diese ausgeschüttet wurde.
Alleine durch unsere 1996 bundesweit durchgeführte Aktion ROCK 'N' FUTURE (Sponsor: Allianz Versicherungs-AG) konnten 1.260.000,00 DM an Musikinitiativen und Clubs in ganz Deutschland weiter gereicht werden, damit diese für Bands Auftritte ermöglichen. Weitere 540.000,00 DM aus Eintrittseinnahmen verblieben ebenfalls bei den Clubs und Bands. Aufgabe und Sinn der Netzwerke ist es, den Geldstrom zum Nutzen der Infrastrukturen an der Basis zu lenken! Ich denke, dass du jetzt mal gefordert wärst anzuzeigen, ob deine Geldströme nur mit einem Einbahnstraßenschild Richtung Lüneburg zeigen oder ob daran auch die Musikerinnen und Musiker an der Basis monetär partizipiert haben.
Und ich bleibe im übrigen auch bei der These, das all jene Projekte sich ohne Fördermittel finanzieren lassen müssten, die publikumsrelevant sind und werbetechnisch sogenannte Reichweiten produzieren (z.B. Festivals, Zeitschriften mit Anzeigenflächen).
"Bayerischer Rockintendant"
Ach ja, du echauffierst dich mal wieder an der Bezeichnung eines "real existierenden Bayerischer Rockintendant". Das ist zum einen eine alte Kamelle (Details kommen gleich). Zum anderen hast du dir diesmal aber auch ein Eigentor mit möglicherweise juristischen Konsequenzen geschossen. Aber der Reihe nach.
1994 hast Du in einem Brief an die Chefredaktion der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg (für die ich zehn Jahre als Freier geschrieben habe) mit einer ähnlichen Attacke u.a. auch meine Reputation attackiert. Aus dieser Zeit stammt wohl auch noch dein Zitat des Kunstministeriums, womit du scheinbar zu suggerieren versuchst, denen wäre die Bezeichnung "Bayerischer Rockintendant" auch suspekt? Inzwischen hat sich diese CI allerdings etabliert und sogar der Bayerische Ministerpräsident benutzt diese Anrede. Mit einer entlarvenden Überheblichkeit hast du damals geschrieben: "Diese typisch bayerische Eigenart der überhöhten Namensfindung wurde durch einige Personen von ABMI selbst vorgenommen".
Viele Jahre später und scheinbar etliche zerstörerische Kopfbälle weiter, lautet dein Vorwurf plötzlich: "Den Titel 'Bayerischer Rockintendant' legte sich der kaufmännische Angestellte B. Schweinar 1992 selbst zu." Dies ist faktisch falsch, grenzt an Rufschädigung und könnte den Anschein erwecken, ich wäre so eine Art Schöner Konsul, der sich hier aus welchen Gründen auch immer mit Titeln schmückt.
Dagegen muss ich mich formal schon deswegen juristisch wehren, weil du sonst womöglich auch zukünftig behaupten kannst, du hättest diese Formulierung unwidersprochen verwenden dürfen.
1994 hatten wir in einem Schreiben an das bayerische Kunstministerium artikuliert, dass wir deine damalige unflätige Attacke zur Kenntnis nehmen, aber nicht darauf reagieren werden sondern unsere Energie besser zum Nutzen der bayerischen Musikerinnen und Musiker einsetzen. Es scheint offenbar ein Fehler zu sein, wenn man an einem Frieden oder Waffenstillstand mit dir interessiert ist. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass es mit dir offenbar keine friedliche Koexistenz geben kann.
Bezüglich des Terminus "Bayerischer Rockintendant" vorab nur soviel. Dieser Begriff entstand einst in München anläßlich einer Jugendkulturdiskussion als die Aufgaben einer eigenverantwortlichen Szenekompetenz im Rockbereich auch als Rockintendanz definiert wurden. Mein Arbeitgeber, die ABMI, hat diesen Terminus dann als Teil der CI weiter verwendet und für die Konzeption der Rockbeauftragtenfunktion übernommen. Auch die Ehre dieser Konzeption geht an mir vorbei, stammt letztere doch von Rick Roth/Musikzentrale Nürnberg und Hans Ernst/snÄp+Rock House e.V.
Ich selbst war weder an der Münchner Diskussionsrunde noch an der Stellenkonzeption beteiligt. Als ich 1991 diese Stelle antragt, war dieser Terminus damit bereits verknüpft. Mir war das egal, man hätte mich alles nennen können, außer vielleicht Ole - aus Verwechslungsgründen, ya know!. Wenn du behauptest, ich hätte mir diesen Titel zugelegt, so ist dies eine massive Diffamierung. Ich gelobe aber schon heute: sollte daraus ein Verfahren werden und du bluten müssen, dann spende ich den Erlös für ein Kinderprojekt in der Dritten Welt.
Noch eine Merkwürdigkeit, die mit mir persönlich zu tun hat. Im erwähnten nmz-Artikel (03/2000) hatte ich geschrieben: "Es trotzt mir ganz allgemein auch nur ein müdes Lächeln (ohne Gegenreaktion!) ab, wenn in der Vergangenheit ein scheinbar böser Bube bei einer Regensburger Stadtzeitung anrief und fragte, ob es denn gar nichts Negatives gäbe, mit dem man Bernd Schweinar ans Bein pinkeln könnte". Ich hatte nicht dich dieser Untat bezichtigt! Es macht allerdings nachdenklich, dass du kurz nach Veröffentlichung mit dem quasi schriftlichen Persilschein einer Stadtzeitungsschreiberin bei der nmz aufgelaufen bist, worin diese unterschrieben bescheinigte, dass du der Schelm nicht gewesen seist. Wie gesagt: das habe ich auch nie behauptet! Nicht-Regensburgern sei aber erklärt, dass es in allerdings Regensburg zwei (!) Stadtzeitungen mit einer erklecklichen Anzahl von Mitarbeitern gibt. Warum du dir gerade diese eine Mitarbeiterin heraus gegriffen hast, sollte eigentlich misstrauisch machen und Anlass zur Recherche geben. Mir fehlt im Moment nur die Zeit dazu - kommt aber vielleicht noch.
"Kulturjournalist" versus Stimmungs-Macher?
Gehst du selbst nicht mit Titeln inflationär um? So schreibst du, dass sich der "Jurist und engagierte Musiker, Komponist und Texter Karsten Runge aus Hamburg" im "Frühjahr 2001" bei dir gemeldet habe (was faktisch falsch scheint, weil Runge sich lt. eigenen Angaben schon im Sommer 2000 mit dir in Verbindung gesetzt hat).
Später "adelst" du diesen quasi mit dem Terminus "Kulturjournalist". Zweifel am journalistisches Handwerk dieses Schreibers, seien aber angesichts der abgelieferten Mängelarbeit erlaubt. Apropos Handwerk: wo hat dieser "Kulturjournalist" denn bisher Kostproben seines journalistischen Könnens hinterlassen? Das Internet kennt ihn nicht - inzwischen sind dort aber von den meisten etablierten Schreibern Textproben oder Querverweise zu finden.
Wie man z.B. fundiert und mit fachlich unzweifelhafter Qualität eine Szene ausrecherchieren kann, hat die Autorin der vorgenannten wissenschaftlichen Arbeit über die ABMI auf 110 Seiten eindrucksvoll dokumentiert. Die Darstellung und Auswertung der ABMI-Arbeit erfolgt darin mit deskriptiven und vergleichenden empirischen Methoden.
Diese Arbeit ist so fundiert, dass wir diesen sachlichen Beleg effizienter Landesarbeit gleichfalls als Lektüre an alle relevanten Behörden und Entscheider versenden werden. Sie ist auch ein Beleg dafür, wie Landesfördermittel sinnvoll angelegt werden können. So sieht seriöse und begründete Recherchearbeit aus. Warum kann man solch qualitativ hochwertige Arbeit von dir nicht erwarten?
Im übrigen zeigt weder die Deutsche Anwaltsauskunft noch das Anwaltsverzeichnis Treffer bei der Suche nach einem Karsten Runge an - es werden nur fünf Runges mit anderen Vornamen aufgelistet. Hat Herr Runge - der lt. Telefonauskunft dort allerdings als "Jurist" eingetragen ist - vielleicht vor einem oder mehreren Jahrzehnten mal seinen Abschluss gemacht? Stattdessen erzählt der Rechercheur unter www.k-runge.de über sich, "ich mache seit Urzeiten Livemusik und Kabarett und versuche mich nebenbei auch als Songtexter". Herr Runge mag mit seinen Textversuchen bei Karnevalsliedern ja durchaus erfolgreich sein, wie er online dokumentiert - ich wünsche im übrigen jedem Musiker mit seiner Arbeit den gebührenden Erfolg. Aber Schuster bleib bei deinen Leisten, ist mehr denn je eine zutreffende Floskel. Journalistische Recherchequalitäten wachsen nun mal leider nicht auf Bäumen oder an Schiffsmasten. Stimmungskanone hin oder her, hier wurde offenkundig Stimmungsmache der ganz eigenen Art daraus. Ob sich dafür die Begrifflichkeit seriös anwenden lässt, sollen jene entscheiden, bei denen du uns offenkundig schaden wolltest.
Wissenschaftliche Arbeit unterstreicht ABMI-Nutzen
Der Unterschied der Recherchequalität wird auch bei der Dokumentation und Auswertung der Arbeit von den ABMI-autarken bayerischen Bezirksvereinen deutlich. Während aus deiner Recherche diese "IG Rocks" als "hausgemacht" ins Off gekickt werden und du fälschlicherweise auch noch behauptest, diese hätten "keinen eigenen Mitgliederstamm", taucht die wissenschaftliche Arbeit über die ABMI kompetent und lückenlos in diese Funktionalität auf Bezirksebene hinein - und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Logisch für uns! Entlarvend für dich und deinen missglückten Versuch der Diskreditierung.
Ich will dir trotzdem kurz Zusammenhänge und Hintergründe erläutern. Clubs, Musiker und Behörden kann man um so besser betreuen, je näher man an ihnen dran ist. Je erfolgreicher das ABMI-Netzwerk war, um so mehr expandierte es. Mit einer hauptamtlichen Kraft auf Landesebene, war nicht nur dem eigenen qualitativen Anspruch bald ein quantitatives Limit gesetzt. Stell dir vor, es fand ein demokratischer Prozess, ganz nach dem föderalistischen Prinzip statt. Die Initiativen entwickelten die Idee von eigenständigen (!!!!) Bezirksvereinen und setzten dies zuerst in Unterfranken um. Später folgten andere Bezirksvereine, die das Kulturleben in den jeweiligen Bezirken merklich bereichern; es sind im übrigen keine sieben, wie du in der scheinbar sehr oberflächlichen Recherche schreibst.
Diese Vereine sind gegenüber der ABMI nicht weisungsgebunden. Sie entwickeln eigene Projekte, kümmern sich um eine eigenständige Finanzierung und setzen diese auch um. Ob du diese Bezirksvereine wider besseres Wissen diffamierst, erfährt starke Nahrung. Haben doch DRMV und IG Rock Unterfranken sowie der unterfränkische Popularmusikbeauftragte im Herbst 2001 parallel zueinander im Würzburger CongressCentrum das Bundesrockfestival und das Festival "MainPOP" veranstaltet. Es ist kaum anzunehmen, dass du die Zusammenhänge der IG Rock damals nicht registriert hast - wo du doch sonst so scheinbar gierig hinter jeder Information über uns hinterher hechtest. Falls doch, muss ich sagen: du warst schon mal besser drauf.
Die von dir gegenüber Bayern offenkundig geäußerte Geringschätzigkeit schlägt auch nochmals in deiner Erbsenzählerei der Mitglieder bayerischer Musikinitiativen durch. Du schreibst: "Viele der übrig gebliebenen Initiativen nannten Mitgliederzahlen, die in einem etwas ungewöhnlichen Verhältnis zu ihrem kleinen Ort bzw. ihrer kleinen Gemeinde stehen. Zumeist handelt es sich um Vereine winziger Gemeinden, bei denen zwischen 100 und 250 (zahlende?) Rock- und PopmusikerInnen angegeben wurden." Geradezu gönnerhaft dein Nachsatz: "Der Autor hat es bis heute unterlassen, diese ungewöhnlich hoch ausfallenden Eigenangaben einer genaueren Überprüfung zu unterziehen."
In Hammelburg haben die von dir in Frage gestellten Köpfe nicht nur seit vielen Jahren ein Open-Air-Festival und weitere Konzertplattformen für Bands lebendig gehalten. In dieser "winzigen Gemeinde" schuften sich diese von dir "real in Frage gestellten Mitglieder" seit geraumer Zeit die Finger wund und baden im Schweiße ihres Angesichts, um ein altes Wasserwerkgebäude zu einem Live-Club umzubauen, auf dem dann vielleicht auch DRMV-Musiker mal einen Auftritt finden (falls die Hammellburger sich von dir jetzt nicht so verletzt fühlen, dass sie Bands zukünftig fragen ob sie DRMV-Mitglied sind?).
Ähnlich engagiert die anderen, wegen ihrer unterstellten Dörflichkeit, von dir in Zweifel gezogenen Initiativen. Auf der einen Seite quasi die Dorfdeppen, auf der anderen Seite werden Personen aus diesen Initiativen aber von Pseudo-Rechercheuren mit Anrufen gelöchert wie diesem hier: Einen Tag vor einer Landesversammlung bayerischer Initiativen bekam der Vorsitzende der Neumarkter Initiative einen Anruf. Geraffter Inhalt: morgen findet ja die ABMI-Sitzung statt, der Anrufer würde selbst gerne daran teilnehmen, aber "Du weißt ja, der Weg von Hamburg ist so weit". Der Ausweg: "Darf ich dich nach der ABMI-Sitzung nochmals anrufen und du erzählst mir etwas darüber?". In der Wirtschaft könnte man dafür schon mal den Begriff Industriespionage verwenden.
Verquere Denke als Norm?
Die Stilblüte schießt Du aber mit der "Ortsinitiative des 'Bayerischen Rockintendanten' B. Schweinar in Regensburg" ab. Beim "Musiker Informationsverein Regensburg e.V." (MIV) haben die Rechercheure triumphierend festgestellt, dass der letzte Eintrag im Vereinsregister vom 25. Mai 1987 datiert. Daraus ziehst du den nur scheinbar vor Intelligenz strotzenden Rückschluss: "Für mit Vereinsangelegenheiten vertrauten Personen heißt dies, daß ein Verein, der seit sage und schreibe 15 Jahren keinen neuen Eintrag im Vereinsregister mehr vorweisen kann, praktisch keine wirklichen beschlußfähigen Mitgliederversammlungen mehr durchführt, denn ein aktives Vereinsleben spiegelt sich immer in den Registereintragungen neuer Vorstände und Satzuingsänderungen etc. wider." Bravo! Ein Meisterstück von flachem Fehlpass!
Das ist ungefähr so, als würden Schwalbenkönige zukünftig selbst die Pfeife im Mund tragen und entscheiden, wann und welche Fußballregel auf ihre Elfmeterschinderei im gegnerischen Strafraum angewandt werden darf. Doch die einzig gültige Fußballregel sieht für diese Täuschungsmanöver die Gelbe Karte vor. Ein Feldverweis wäre wohl angebrachter!
Mit der gleicher Post geht an alle relevanten Entscheidungsträger, bei denen du uns offenbar Schaden zufügen wolltest, auch eine 120seitige Dokumentation der MIV-Arbeit raus. Darin enthalten alle Protokolle der Wahlversammlungen seit Ende der achtziger Jahre, eine Aktivitätenauflistung sämtlicher Jahre (durch den MIV kamen alleine weit über 150 Bands zu Auftritten, es fanden zahlreiche Workshops u.v.m. statt), sowie eine Pressedokumentation in Auszügen. Einen dümmlicheren Vorwurf hättest du dir kaum einfallen lassen können. Aber das zeigt mal wieder, was an deinen Vorwürfen dran ist und welch abenteuerlich konstruierte Thesen du aufstellst um Initiativen ins Zwielicht zu rücken.
Kann es sein, dass du den Fehler begehst und vom DRMV auf andere schließt? In Bayern (und hoffentlich woanders auch) ist es nämlich durchaus möglich, dass sich ein dreiköpfiges Vorstandsteam so gut versteht, dass es über 15 Jahre lang kontinuierlich zum Nutzen der lokalen Bands arbeitet. Versuche, immer wieder mal neue Leute in die Vorstandsarbeit zu integrieren, scheiterten im übrigen regelmäßig daran, dass niemand anderer bereit war, sich die nicht unerhebliche ehrenamtliche Arbeit aufzubürden, ohne selbst einen Nutzen daraus ziehen zu können. Es ist Fakt, dass die Gesellschaft individualistischer geworden ist.
Das ist auch ein leidiges Musikerproblem. Aber ich wäre der Letzte, der sich anmaßen würde, andere Musiker deswegen zu kritisieren. Wenn ein Musiker neben Band, Probe und Auftritten, zwischen Beruf oder Studium und Freundin oder Familie, keine Zeit mehr dafür aufbringen kann, dass er sich uneigennützig für andere Bands engagiert, dann ist das für mich völlig nachvollziehbar.
Im Gegenteil!! Darin liegt ja gerade die Stärke des Unterschiedes zwischen MusikERinitiativen und Musikinitiativen. Ex-Musiker oder Kulturaktive mit Faible für Livemusik können sich wesentlich intensiver um ein Veranstaltungsangebot für aktive Musikerinnen und Musiker kümmern und den Bands dadurch sogar Freiräume für deren Kreativität verschaffen. Wenn du diese diffamierst, schadest du zuallererst den Musikern und Bands – auch im DRMV!
Die alte Leier mit der du auf die bezahlten Stellen - von mir, Dirk Metzger/Rockstiftung Baden-Württemberg u.a. - schimpfst, langweilt die Musikerinnen und Musiker draussen. Die interessiert, was die Rockstiftung oder ABMI/Rock.Büro SÜD für die Bands leisten - und das ist erheblich und an Zahlen messbar.
Immerhin hast du auf deinen früheren Vergleich (nmz 12/99-01/00) von Rockbeauftragtenstellen mit bezahlten Funktionären diktatorischer Regime ("staatssozialistisches Funktionärswesen/Oligarchie") verzichtet. Hab' dank für diese Gnade! Uups, jetzt hätte ich doch fast versehentlich Olegarchie geschrieben. Welch funktionierendes Wunder doch die automatische Rechtschreibprüfung darstellt!
Du verkennst im übrigen den Status der Arbeitsverhältnisse, wenn du schreibst, dass ich, Dirk Metzger oder die Rockbeauftragten in Deutschland "sich zudem in den letzten 10 Jahren nicht den Musikerinnen und Musikern in Deutschland zur Wahl gestellt bzw. in demokratischen Wahlen haben klären lassen, ob sie und ihre Arbeit von den Musikerinnen und Musikern gewünscht werden.". Ich möchte jetzt nicht vermessen sein, glaube aber behaupten zu können, dass ich von den Musikerinnen und Musikern im ABMI-Netzwerk und vielen darüber hinaus, die von uns kostenlos und fundiert beraten wurden, "gewünscht" werde.
Aber lass' mich den Ball aufgreifen. Du schreibst, dass der DRMV rund 5.000 Mitglieder zählt. Wie ist es dann einzuschätzen, dass der Vorsitzende/Sprecher Ole Seelenmeyer z.B. bei der letzten Wahl gerade mal 287 Stimmen bekam? Das sind 5,47 Prozent! Könnte man dies als eine hohe Zustimmungsquote zu deiner Arbeit bezeichnen? Aber wir sind nicht so vermessen, uns in die DRMV-Internas einzumischen.
Nachsatz
Die Abdruckerlaubnis für diesen Text kann ich dir nur erteilen, wenn du den Wortlaut ungekürzt bzw. ohne redaktionelle Änderungen in der nächsten Ausgabe des MUSIKER Magazins publizierst. (Anmerkung: Ole Seelenmeyer hat diesen Artikel "natürlich?" nicht abgedruckt, weswegen wir diesen Weg zu den DRMV-Mitgliedern gehen müssen)
Im übrigen hast du mit dieser Diffamierung endgültig das Tuch zwischen uns beiden zerschnitten.
Mit Grüßen
Bernd Schweinar
- Bayerischer Rockintendant -